Toul Sleng Genozid Museum: Geschichte und Führung
21. November 2025
In der Hauptstadt Phnom Penh befindet sich ein Ort von großer historischer Bedeutung. Das ehemalige Schulgelände wurde während der Herrschaft der Khmer Rouge in ein Gefängnis umgewandelt. Heute dient es als zentraler Gedenkort.
Sie erfahren hier mehr über die dunkle Vergangenheit dieses Ortes. Zwischen 1975 und 1979 war dies das Gefängnis S-21. Es fungierte als zentrales Folter- und Verhörzentrum des Regimes.
Die Dimensionen des Schreckens sind kaum vorstellbar. Geschätzte 18.000 Menschen waren hier inhaftiert. Nur eine sehr kleine Zahl überlebte diese Zeit systematischer Gewalt.
Der heutige Besuch dient der Aufarbeitung und dem Gedenken. Das Tuol Sleng Genocide Museum zieht jährlich hunderttausende Besucher an. Es ist ein wichtiger Ort für Bildung und historisches Bewusstsein.
Schlüsselerkenntnisse
- Das Tuol Sleng war das ehemalige Gefängnis S-21 der Roten Khmer in Phnom Penh.
- Es wurde von 1975 bis 1979 als Folterzentrum genutzt.
- Nur sehr wenige der geschätzt 18.000 Inhaftierten überlebten.
- Heute ist es ein Museum, das an die Verbrechen erinnert.
- Der Ort dient der historischen Bildung für Einheimische und internationale Gäste.
- Das Gelände umfasst vier Gebäude und beherbergt umfangreiche Dokumentationen.
Historischer Hintergrund und Kontext
Unter der Herrschaft der Roten Khmer erlebte Kambodscha zwischen 1975 und 1979 eine radikale gesellschaftliche Umwälzung. Das kommunistische Regime verfolgte extreme Ziele.
Entstehung und Bedeutung des S-21
Das Sicherheitsgefängnis S-21 entstand als zentrale Einrichtung des Terrors. Es wurde im August 1975 offiziell in Betrieb genommen. Ab April 1976 befand es sich am heutigen Standort des tuol sleng.
Diese Anstalt diente als Hauptquartier für Verhöre und Folter. Sie war direkt dem Zentralkomitee unterstellt. Der Ort symbolisiert das sleng genocide in seiner brutalsten Form.
„Das tuol sleng genocide Museum bewahrt die Erinnerung an systematische Gewalt.“
Zeitraum 1975 bis 1979 und die Roten Khmer
Pol Pot führte das Regime mit einer extremen Agrarvision. Die Khmer Rouge vertrieben die Stadtbevölkerung aufs Land. Bildung und Technologie galten als verdächtig.
Die Jahre 1975 bis 1979 waren von massiver Verfolgung geprägt. Das tuol sleng spielte dabei eine Schlüsselrolle. Es steht für das sleng genocide in Kambodscha.
| Gefängnistyp | Anzahl | Hauptfunktion | Überlebensrate |
|---|---|---|---|
| Zentrale Gefängnisse | 5 | Politische Verfolgung | |
| Regionale Anstalten | 50 | Zwangsarbeiter | 5-10% |
| Lokale Lager | 141 | Umerziehung | 15-20% |
Die systematische Unterdrückung betraf alle Gesellschaftsschichten. Intellektuelle und Minderheiten wurden besonders verfolgt. Das Erbe dieser Zeit prägt Kambodscha bis heute.
Das Toul Sleng Genozid Museum – Ein Ort der Erinnerung
Auf einem Grundstück in Phnom Penh, das einst für Bildung stand, entstand ein Ort des Schreckens. Die vier Gebäude waren ursprünglich ein modernes Gymnasium aus den 1960er Jahren.
Es trug den Namen Tuol Svay Prey, was „Wildmangobaumhügel“ bedeutet. Diese friedliche Bestimmung änderte sich im April 1975 radikal.
Ursprung als ehemaliges Gymnasium und Gefängnis
Nach der Eroberung der Hauptstadt funktionierten die Roten Khmer den Schulkomplex systematisch um. Aus hellen Klassenräumen wurden kleine Einzelzellen.
Stacheldraht und Elektrozäune sicherten das Gelände. Es wurde zum Hochsicherheitsgefängnis S-21. Der Name Tuol Sleng leitet sich von einer benachbarten Grundschule ab.

Das Gefängnis bestand von April 1976 bis zur Befreiung am 7. Januar 1979. Vietnamesische Soldaten beendeten den Betrieb.
Die Transformation von S-21 zum Museum
Bereits im März 1979 konnten erste Delegationen das Gelände besichtigen. Die offizielle Eröffnung als tuol sleng genocide museum fand später statt.
Ein vietnamesischer Berater unterstützte den Aufbau. Die Sammlung wuchs stetig an. Heute bewahrt sie tausende Fotografien und Dokumente auf.
Im Juli 2009 erlangte das Archiv UNESCO-Weltdokumentenerbe-Status. Es umfasst Tausende von Geständnissen und Biografien. Diese Aufzeichnungen sind von unschätzbarem Wert für die Geschichte.
Führung und Besucher-Erfahrungen
Die Begegnung mit der Vergangenheit in Phnom Penh hinterlässt bei Besuchern bleibende Eindrücke. Vor der Pandemie zählte der Ort bis zu 500.000 Gäste jährlich. Rund 85 Prozent kamen aus dem Ausland.
Führungen und Schulbesuche
Seit 2015 ergänzt ein Audioguide in elf Sprachen die Ausstellung. Er liefert wichtige Kontexte zu den original erhaltenen Räumen.

Für kambodschanische Jugendliche sind organisierte Besuche besonders wichtig. Gruppen aus Provinzen wie Battambang reisen an. Projekte wie „Junge Generation“ ermöglichen diese lernorientierten Erfahrungen.
Drei Überlebende sind täglich vor Ort. Chum Mey, Bou Meng und Norng Chanphal teilen ihre Geschichten. Sie verkaufen auch ihre Biografien.
Emotionale Eindrücke der Besucher
Der Rundgang führt Sie an über 6.000 Fotografien von Opfern vorbei. Sie sehen karge Zellen und Verhörräume mit Metallrosten.
Viele Führer haben selbst Angehörige verloren. Sie vermitteln nicht nur Fakten, sondern auch persönliche Schicksale. Die emotionale Intensität ist sehr hoch.
Besucher beschreiben die Erfahrung oft als zutiefst bewegend. Die Authentizität des Ortes macht die Brutalität des Regimes greifbar. Das tuol sleng genocide Museum dient so der Aufklärung und dem Gedenken.
Verbrechen, Foltermethoden und Opfer
Die systematische Gewalt in S-21 zeigt die erschütternde Realität des Regimes. Sie lernen hier über die grausamen Methoden und das Schicksal der Inhaftierten.
Dokumentation der Folterpraktiken
Das Gefängnis nutzte brutale Verhörmethoden. Elektroschocks, Waterboarding und Aufhängen gehörten zum Alltag.
Gefangene wurden an Galgen bis zur Bewusstlosigkeit gehängt. Daumenschrauben und Säure in der Nase waren üblich.

Statistiken und Schicksale der Inhaftierten
Die Zahlen zeigen das Ausmaß der Tragödie. Von tausenden Gefangenen überlebten nur wenige.
| Kategorie | Gesamtzahl | Überlebende | Überlebensrate |
|---|---|---|---|
| Erwachsene Inhaftierte | ~18.000 | 12 | 0,07% |
| Kinder | unbekannt | 4 | unbekannt |
| Familien | viele | 0 | 0% |
Nur Handwerker wie Maler und Mechaniker hatten Überlebenschancen. Sie mussten für das Regime arbeiten.
Nachwirkungen der Verbrechen auf die Gesellschaft
Die Folgen prägen Kambodscha bis heute. Fast jede Familie hat Angehörige verloren.
„Die Extraordinary Chambers brachten späte Gerechtigkeit für die Opfer.“
Das Trauma wird über Generationen weitergegeben. Die juristische Aufarbeitung dauerte Jahrzehnte.
Organisation und Funktionsweise des ehemaligen S-21
Ein komplexes Netzwerk von Personal und Einrichtungen bildete die Grundlage für den Betrieb von S-21. Sie lernen hier die innere Struktur kennen, die dieses Folterzentrum ermöglichte.
Struktur und interne Ordnung
Das Gefängnis erstreckte sich über das gesamte Viertel. Es umfasste nicht nur die vier Schulgebäude. Dazu gehörten auch Krankenhaus, Felder und Bananenplantagen.
Etwa 1.720 Personen arbeiteten zeitweise für das tuol sleng. Rund 300 davon waren Wächter und Verhörer. Die anderen dienten als Arbeiter oder bewirtschafteten die Felder.

Die Rolle der Folterer und Behörden
Kaing Guek Eav, genannt „Duch“, leitete ab 1976 das Gefängnis. Der ehemalige Mathematiklehrer führte auch die Santibal an. Diese gefürchteten Sicherheitswächter unterstanden direkt dem regime.
Die khmer rouge führten akribische Dokumentationen. Jeder Gefangene wurde fotografiert und verhört. Erzwungene Geständnisse wurden seitenlang protokolliert.
Viele Wächter waren sehr jung – oft Teenager oder Anfang zwanzig. Sie wurden systematisch zu Tätern des Systems ausgebildet. Die interne Ordnung beruhte auf strikter Hierarchie und Gehorsam.
Duch erstattete direkt dem Zentralkomitee der khmer rouge Bericht. Unter pol pot entwickelte sich so eine effiziente Verfolgungsmaschinerie. Diese Bürokratie des Terrors kennzeichnet das sleng genocide.
Politische Debatten und gesellschaftliche Erinnerungskultur
Die Bedeutung des Ortes in Phnom Penh wird bis heute kontrovers diskutiert. Seine Eröffnung als Gedenkstätte war von Anfang an ein politischer Akt.
Legitimation des Regimes und politische Narrative
Das sleng genocide museum entstand 1979 mit vietnamesischer Hilfe. Historiker sehen darin einen Versuch, die Invasion des Nachbarlandes zu rechtfertigen.
Es sollte das neue regime der Volksrepublik Kampuchea legitimieren. Einige Politiker in Phnom Penh bestreiten sogar die Existenz von S-21. Sie bezeichnen das genocide museum als reine Propaganda.
Eine weitere Debatte vergleicht die Verbrechen mit dem Holocaust. Pol Pot wird dabei oft als „asiatischer Hitler“ dargestellt. Diese Analogie ist umstritten.

Vergleich mit anderen historischen Gedenkstätten
Die juristische Aufarbeitung begann erst sehr spät. Die extraordinary chambers (ECCC) nahmen ihre Arbeit 2007 auf.
Nur wenige Hauptverantwortliche der khmer rouge wurden verurteilt. Viele Täter blieben straffrei. Der Prozess war langwierig und komplex, ähnlich wie in anderen Ländern nach Diktaturen.
| Tribunal | Beginn | Hauptangeklagte | Verurteilungen |
|---|---|---|---|
| ECCC (Kambodscha) | 2007 | 5 | 3 |
| Nürnberger Prozesse | 1945 | 24 | 12 |
| ICTY (Jugoslawien) | 1993 | 161 | 90 |
Für die junge Generation in Kambodscha ist die Geschichte oft fern. Das tuol sleng genocide Museum steht vor der Aufgabe, die Ereignisse verständlich zu vermitteln. 2022 reichte das Land einen Antrag für das UNESCO-Welterbe ein.
Fazit
Durch die UNESCO-Bewerbung zeigt Kambodscha seinen Willen zur dauerhaften Bewahrung dieser wichtigen Erinnerungsstätte. Das tuol sleng steht nicht nur für touristische Besuche, sondern für nationale Identitätsbildung.
Sie haben verstanden, wie das ehemalige S-21 mit den killing fields verbunden war. Beide Orte dokumentieren die systematischen Verbrechen der khmer rouge. Die Aufarbeitung dieser Geschichte bleibt essentiell.
Das sleng genocide museum in phnom penh bewältigt komplexe Aufgaben. Es muss Authentizität wahren und politische Instrumentalisierung abwehren. Gleichzeitig leistet es wichtige Bildungsarbeit.
Der Besuch ermöglicht Ihnen, von Überlebenden zu lernen. So tragen Sie zur Erinnerungskultur bei. Das genocide museum zeigt: Aufarbeitung braucht generationenübergreifenden Dialog.
FAQ
Was war die ursprüngliche Funktion des Gebäudes, bevor es zum Gefängnis S-21 wurde?
Vor der Machtübernahme durch die Roten Khmer war das Gelände eine weiterführende Schule in Phnom Penh. Nach 1975 wandelte das Regime unter Pol Pot den Ort in das berüchtigte Sicherheitsgefängnis 21 um.
Welche Bedeutung hat die Gedenkstätte im heutigen Kambodscha?
Dieser Ort dient als zentrales Mahnmal für die Verbrechen zwischen 1975 und 1979. Er bewahrt die Erinnerung an die Opfer und fördert die gesellschaftliche Aufarbeitung dieser dunklen Zeit.
Sind Führungen vor Ort verfügbar und was kann man während eines Besuchs erwarten?
Ja, es werden geführte Touren angeboten, die tiefe Einblicke in die Geschichte bieten. Sie können die ehemaligen Zellen, Fotos der Inhaftierten und dokumentierte Foltermethoden sehen. Die Erfahrung ist sehr bewegend.
Wie wird an die Opfer der außerordentlichen Kammern heute erinnert?
Neben der Ausstellung in Phnom Penh finden auch Gerichtsverfahren statt. Diese Prozesse sollen Gerechtigkeit schaffen und die historische Wahrheit über die Gräueltaten offenlegen.
Gibt es eine Verbindung zwischen diesem Ort und den Killing Fields?
Ja, eine enge Verbindung. Die meisten Gefangenen aus dem Sicherheitsgefängnis 21 wurden zur Exekution zu den Killing Fields außerhalb der Stadt gebracht. Beide Orte sind Teil derselben tragischen Geschichte.
Welche Rolle spielt das Museum in der politischen Debatte über die Vergangenheit?
Die Gedenkstätte ist ein wichtiger Ort für die Erinnerungskultur. Sie stellt die offizielle Darstellung des Regimes infrage und ermöglicht eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Periode.
